Kirchen zusammen unterwegs: Weggemeinschaft Solothurn (Wegeso)

Vor 20 und mehr Jahren bestand in der Stadt Solothurn innerhalb der Landes- und Freikirchen ein grosser Graben. Man misstraute sich gegenseitig und viele pflegten vor allem den eigenen Gemeindegarten. Die Arbeit der Landes- und Freikirchen wurde in der Gesellschaft nur wenig wahrgenommen.

Vor rund 17 Jahren kam es zu ersten näheren Kontakten zwischen den Landes- und Freikirchen. Schnell wurde allen Beteiligten klar, dass sie als christliche Kirchen im selben Boot sitzen und mit der Botschaft des Evangeliums nur einen winzigen Bruchteil der Bevölkerung erreichen.

Man einigte sich damals unter den Pfarrern zu vierteljährlichen Treffen. Im Zentrum sollten nicht die theologischen Differenzen stehen sondern der Gedankenaustausch und die Pflege der Beziehungen.

Dies findet seit April 1999 neben den Wegeso Sitzungen vor allem Ausdruck im monatlichen Pfarrergebet, zu dem alle Pfarrer, Pfarrerinnen und Pastoren der Wegeso eingeladen sind. Dieses Treffen finden in einer Atmosphäre der Offenheit, der Vertrautheit, der Wertschätzung und der gegenseitige Ermutigung statt.

1999 kam es auch zum ersten gemeinsamen Auftritt der Landes- und Freikirchen. Am HESO Sonntag informierten im Info-Zelt alle beteiligten Kirchen über ihre Angebote. Obwohl diese Kirchenpräsenz an der HESO nur wenig Interesse fand, hatte dieser Anlass ein Nachspiel. Nach Abschluss der Ausstellung wurden die anwesenden Gemeindeleiter und Pfarrer von einem Wirt, der seine Bar direkt gegenüber dem Info Zelt der Kirchen hatte, zu einem Apéro eingeladen.

Der Wirt sagte zu den Anwesenden: «Weshalb hört man nicht mehr von euch? Ihr habt doch die beste Botschaft, die es gibt. Die Botschaft der Liebe und des Friedens. Unsere Stadt braucht diese Botschaft dringend. Ihr müsst es ihnen erzählen.» Alle, die das hörten, schauten sich an und spürten: Durch diesen Mann spricht Gott zu uns und fordert uns heraus!

Als erste Herausforderung packte die Wegeso den Gospelgottesdienst anlässlich des Märetfeschtes 2000 an. Die Auflage des damaligen Organisations-Komitees, dass sich daran alle christlichen Landes- und Freikirchen gemeinsam beteiligen sollten, konnte die Wegeso dank ihren vorgängigen Kontakten ohne Probleme erfüllen. Seither ist dieser Gospelgottesdienst fester Bestandteil des Märetfeschtes. Später kamen im Rahmen des Märetfeschtes die Abfallentsorgung und das Kinderfest hinzu. Beides wird von den Landes- und Freikirchen gemeinsam organisiert.

In den Jahren 2001 bis 2003 hatte die Wegeso an der HESO ihren eigenen Stand. Seit dieser Zeit führt die Wegeso auch eine jährliche eintägige Retraite durch, an welcher der gegenseitige Kontakt vertieft und die Strategie für das folgende Jahr festgelegt wird.

Anlässlich des Sonntagsverkaufs in der Adventszeit übernahm die Wegeso ab 2004 zusätzlich die Verantwortung für die Durchführung der Weihnachtsreise. Auf verschiedenen Plätzen der Stadt wird die Geschichte von der Geburt von Jesus Christus mit vielen Laiendarstellerinnen und -darstellern und Tieren aufgeführt.

Die konsequente Ausrichtung der Wegeso auf gemeinsame Anlässe, die nicht primär nur für Kirchgänger und Kirchgängerinnen, sondern vor allem für kirchendistanzierte Menschen interessant sind, brachte viele positive Auswirkungen:

Auf diese Weise hat sich in ersten Ansätzen verwirklicht, was ein Wirt einigen Pfarrern bei einem Apéro an der HESO ins Stammbuch geschrieben hat! Und die Geschichte geht weiter.